Cézannes Kartenspieler: Fünf Fassungen um einen kleinen Tisch
Paul Cézanne malte die Kartenspieler mehrfach, und keine der fünf Fassungen ist eindeutig datiert. Die Fassung im Metropolitan Museum of Art zeigt drei Spieler und einen stehenden Beobachter; Röntgenaufnahmen belegen, wie oft der Maler die Gruppe um den Tisch neu ordnete.

- Künstler
- Paul Cézanne
- Titel
- Die Kartenspieler
- Datierung
- 1890-92
- Technik
- Öl auf Leinwand
- Maße
- 65,4 x 81,9 cm
- Sammlung
- The Metropolitan Museum of Art, New York, Inventarnummer 61.101.1; Vermächtnis Stephen C. Clark, 1960
Eine Serie ohne eindeutige Daten
Cézanne malte die Kartenspieler nicht einmal, sondern mehrfach. Das Metropolitan Museum of Art spricht in seinem Essay von fünf Fassungen, die als Serie gelten; keine von ihnen ist eindeutig datiert. Die Objektseite des Met gibt für das Bild in seiner Sammlung die Jahre 1890-92 an; diese Jahresangabe benennt einen Zeitraum, ein genaues Datum der Vollendung nennen die herangezogenen Quellen nicht.
Die Fassung im Met zeigt laut Museum drei Kartenspieler und einen stehenden Beobachter. Sie wurde nach Studien von Arbeitern auf dem Anwesen von Cézannes Vater gemalt, dem Jas de Bouffan.
Die Fassungen unterscheiden sich in der Zahl der Figuren. Die Met-Fassung ist mehrfigurig, ebenso eine größere Fassung der Barnes Foundation. Drei weitere Bilder zeigen nur zwei Spieler; sie gehören dem Musée d'Orsay, der Courtauld Gallery und einer Privatsammlung. Nach allgemeiner Ansicht entstanden die Fassungen mit mehreren Figuren zuerst, die mit zwei Spielern später.

Der kleine Tisch
Im Zentrum der Met-Fassung steht ein heller, bläulich getönter Tisch mit einer Schublade. Auf der Platte liegen Karten und eine Pfeife, und in der Tischkante steckt eine Schublade. Die Spieler sitzen eng um diese kleine Fläche und beugen sich über ihre Karten. Das Bild misst 65,4 x 81,9 cm und ist in Öl auf Leinwand gemalt.
Laut Met mühte sich Cézanne, die Figuren um diesen kleinen Tisch zu gruppieren. Die Röntgenbilder zeigen viele Korrekturen. Die Anordnung, die das fertige Bild zeigt, ist nach dieser Aussage das Ergebnis wiederholten Anpassens und kein erster Entwurf. Das passt zu dem, was das Met zu den Modellstudien sagt: Cézanne veränderte Posen und Positionen, bis alles stimmte.

Der Mann mit der Pfeife
Hinter den Spielern steht ein vierter Mann, der Hut trägt und eine Pfeife im Mund hat. Er sieht den Spielern zu, ohne am Spiel teilzunehmen. An der Wand hinter ihm hängen Pfeifen in einer Reihe; ihre Zahl nennen die herangezogenen Quellen nicht. Rechts im Bild hängt ein orangegelber Vorhang.
Diese Beschreibungen beruhen auf dem Bild selbst, nicht auf einem Museumstext. Sie ergänzen, was das Met über die Gruppierung der Figuren sagt: Neben den drei Spielern am Tisch gehört der stehende Beobachter zur Komposition, und die Gegenstände im Hintergrund, Pfeifen und Vorhang, rahmen die Gruppe.

Landarbeiter als Modelle
Laut Met malte Cézanne die Figuren nach Studien einheimischer Landarbeiter. Diese arbeiteten auf dem Jas de Bouffan, dem Anwesen, das Cézanne von seinem Vater geerbt hatte. Der Maler war damals in seinen Fünfzigern. Zur Serie gehören Ölstudien und Zeichnungen einzelner Modelle, die 2011 im Met zusammen mit den Gemälden gezeigt wurden.
Cézanne änderte Posen und Positionen der Figuren, bis alles stimmte. Namen der Männer nennen die herangezogenen Quellen nicht; die Frage, wer die Modelle waren, bleibt damit offen.

Heiligenscheine im Röntgenbild
Das Met und die Courtauld Gallery untersuchten die Bilder mit Röntgenradiografie, Infrarot-Reflektografie und genauer Betrachtung der Oberfläche. Im Röntgenbild liegen um die Figuren „Heiligenscheine“, Spuren zahlreicher Korrekturen beim Komponieren. Das Met beschreibt im Essay vom 1. August 2022, dass Cézanne darum rang, die Figuren um einen kleinen Tisch zu gruppieren.
Im Vorzeichnen blieb laut Met die Hand des rechten Mannes ungelöst. Welche Stelle im fertigen Bild gemeint ist, geht aus den Quellen nicht hervor. Die hier gezeigten Abbildungen geben das fertige Bild wieder, keine Röntgen- oder Infrarotaufnahme; die Untersuchungsbilder des Met liegen hier nicht vor. Die Quellen werten die Heiligenscheine als Spur zahlreicher Korrekturen.

Eine Ausstellung, ein Vermächtnis
2011 zeigten das Metropolitan Museum und die Courtauld Gallery die Kartenspieler gemeinsam mit den zugehörigen Ölstudien und Zeichnungen; laut Met war es die erste Ausstellung, die die Gemälde der Serie mit diesen Studien zusammenbrachte. Vor der Ausstellung untersuchten Fachleute beider Häuser die Bilder. Ihr Ergebnis: Entgegen der Mehrheitsmeinung entstanden die kleinsten Bilder zuerst. Welche Fassungen mit den kleinsten Bildern gemeint sind, geht aus den herangezogenen Quellen nicht hervor.
Die Ausstellung trug den Titel Cézanne's Card Players und führte die Gemälde mit den Studien erstmals zusammen. Damit ließen sich die Gemälde der Serie erstmals neben den Studien einzelner Modelle betrachten, an denen Cézanne Posen und Positionen der Figuren erprobte. Das Bild im Met kam 1960 als Vermächtnis von Stephen C. Clark ins Museum und trägt die Inventarnummer 61.101.1.
- The Metropolitan Museum of Art, Objektseite 435868 (61.101.1)
- The Metropolitan Museum of Art, Essay "Cezanne's Card Players", 1. August 2022 (metmuseum.org/essays/cezannes-card-players)
- Bildnachweis: Paul Cézanne, Die Kartenspieler, 1890-92, The Metropolitan Museum of Art, 61.101.1 (Ausschnitte des fertigen Bildes)