Zwei Männer in Betrachtung des Mondes: Friedrichs dritte Fassung
Zwei Gestalten stehen im Dämmerlicht vor einem knorrigen Baum und schauen auf eine schmale Mondsichel. Das Gemälde im Metropolitan Museum ist die dritte Version einer Komposition, die Caspar David Friedrich mehrfach malte.

- Künstler
- Caspar David Friedrich (1774 bis 1840)
- Titel
- Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (Two Men Contemplating the Moon)
- Datierung
- um 1825 bis 1830 (dritte Fassung der Komposition)
- Technik
- Öl auf Leinwand
- Maße
- 34,9 x 43,8 cm
- Sammlung
- The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 2000.51 (Wrightsman Fund, 2000)
Ein kleines, dunkles Bild
Zwei Männer stehen im Dämmerlicht und betrachten den Mond. Caspar David Friedrich malte sie von hinten, in Öl auf Leinwand, um 1825 bis 1830. Das Bild misst nur 34,9 x 43,8 cm.
Bei näherem Hinsehen ergibt sich Folgendes, als Beobachtung am Bild und nicht als Museumsaussage: eine schmale Mondsichel tief am Horizont, um die sich der Himmel warm färbt, zwei Männer in langen dunklen Mänteln, ein mächtiger, knorriger Baum, ein heller Pfad zwischen Felsen und Gras und ganz hinten am rechten Rand ferne Tannen.
Das Bild im Metropolitan Museum ist nach dem Katalogtext die dritte Version der Komposition, die Friedrich mehrfach malte. Es gelangte im Jahr 2000 aus dem Kunsthandel in das Museum, auf dem Weg dorthin blieb es fast 160 Jahre im Besitz einer Familie. Die Stationen dieses Weges und die beiden früheren Fassungen schildern die folgenden Abschnitte.

Von hinten gesehen
Nach Angabe des Metropolitan Museum lädt die Rückenansicht dazu ein, die Verbundenheit der Figuren mit der Natur zu teilen. Für solche Figuren gibt es das deutsche Wort Rückenfigur, sinngemäß eine Figur von hinten. Ob der Betrachter mit der Figur schaut oder ihr beim Schauen zusieht, ist in der Forschung umstritten.
Das Bildmittel hat Vorläufer und Verwandte. Nach den Quellenblättern zeigt schon Giotto im 14. Jahrhundert Figuren von hinten; Martinus Rørbye stellt 1839 in einem Mondscheinbild aus Kopenhagen Figuren mit dem Rücken zum Betrachter; Johan Christian Dahl malte 1823 eine Hommage an Friedrichs erste Fassung von 1819.
Auch in der französischen Malerei und Druckgraphik taucht die Figur von hinten auf: Edgar Degas zeigt in einer Radierung von 1879 bis 1880 eine stehende Frau von hinten, Georges Seurat in seiner Zirkusparade von 1887 bis 1888 Zuschauerköpfe und Hüte von hinten. Ob solche Figuren den Betrachter einladen, mitzusehen, oder ihn auf Abstand halten, bleibt, wie erwähnt, eine Frage der Deutung, die die Forschung unterschiedlich beantwortet.

Der Mond und sein Maler
Laut Metropolitan Museum waren die Romantiker vom Mond fasziniert, er galt ihnen als Gegenstand frommer Betrachtung. Caspar David Friedrich wurde nach den Quellenblättern zu Post 03 1774 in Greifswald geboren, studierte 1794 bis 1798 in Kopenhagen und ließ sich danach in Dresden nieder, wo er 1840 starb. Aus den Kopenhagener Jahren stammt eine Mondscheinzeichnung mit Zugbrücke und Ruine; Zuschreibung und Datierung (1795 bis 1798) folgen dem Statens Museum for Kunst.
In seinen Aphorismen von 1830 rät Friedrich sinngemäß, das körperliche Auge zu schließen und ein Bild zuerst mit dem geistigen Auge zu sehen. Die Quellenblätter zeichnen seinen Weg in Stationen nach: 1809 der Streit um sein Altarbild, das Kreuz im Gebirge, 1810 die Wirkung des Mönchs am Meer, dazu ein von Kleist bearbeiteter Zeitungstext, 1817 das offenbar erste Schiffbruchbild, 1835 ein Schlaganfall. Nach seinem Tod 1840 geriet er in Vergessenheit; die Jahrhundertausstellung 1906 in Berlin holte ihn nach diesen Quellen zurück.

Drei Fassungen
Die erste Fassung der Komposition entsteht 1819 und befindet sich heute im Albertinum in Dresden. Die zweite, um 1824 datiert, hängt in der Alten Nationalgalerie in Berlin; die Quellenblätter nennen sie Mann und Frau in Betrachtung des Mondes. Nach dem Katalogtext des Metropolitan Museum entstand sie kurz nach dem Tod von Friedrichs Schüler August Heinrich (1794 bis 1822). Die dritte Fassung, um 1825 bis 1830, ist das Bild in New York.
Wer die beiden Männer sind, ist eine Deutung. Die Quellenblätter nennen die Möglichkeit, dass der Maler und sein Schüler August Heinrich gemeint sind; gesichert ist das nicht. Auf dem Bild legt einer der beiden dem anderen die Hand auf die Schulter, eine Beobachtung, die sich ohne Deutung beschreiben lässt: Die Männer stehen eng beieinander und blicken in dieselbe Richtung.

Von Dresden nach New York
Die Provenienz nennt das Metropolitan Museum so: Dr. Otto Friedrich Rosenberg in Dresden besaß das Bild spätestens 1840 bis zu seinem Tod 1850; er erhielt es im Tausch gegen ärztliche Behandlung. Danach gehörte es seiner Tochter Theophila Minna Rosenberg, vermutlich bis zu ihrem Tod 1882, dann durch die Familie in Wuppertal-Barmen und später Hamburg weiter bis zu Gottfried Spiegler in Glinde, der es bis 1999 hielt. Rechnerisch ergibt das einen Familienbesitz von fast 160 Jahren.
Am 7. Oktober 1999 wurde das Bild bei Christie's in London verkauft, im Jahr 2000 erwarb es das Metropolitan Museum (Wrightsman Fund). Nach der Objektseite hängt es in Galerie 807 an der Fifth Avenue (Stand 20.10.2026).

- The Metropolitan Museum of Art, Objektseite 2000.51, metmuseum.org/art/collection/search/438417 (Maße, Katalogtext, Provenienz, Credit Line, Galerie)
- The Metropolitan Museum of Art, Open Access (Objekt 438417), Bildquelle und Lizenzstatus über die Met-API
- Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, Open API (KKSgb5006, KKSgb6485), zu den Zeichnungen in Post 03
- Quellenblätter zu Post 03 und Post 12 (Aphorismen von 1830 nach Wikipedia, Rückenfigur nach Artsy und Wikipedia)
- The Metropolitan Museum of Art, Objektseiten zu Dahl (2019.167.3) und Rørbye (2007.164.7), zum Vergleich der Rückenfigur