Zwei Stapel im flachen Licht: Monets Heuhaufen 1890-91
Im Herbst 1890 malte Claude Monet in Giverny Getreidestapel auf einem Feld neben seinem Haus. Das Chicagoer Bild trug 1891 bei Durand-Ruel die Nummer 1 einer Ausstellung von fünfzehn Stapelbildern.

- Künstler
- Claude Monet
- Titel
- Heuhaufen (Ende des Sommers) (AIC-Titel: Stacks of Wheat (End of Summer))
- Datierung
- 1890-91
- Technik
- Öl auf Leinwand
- Maße
- 60 x 100,5 cm
- Signatur
- „Claude Monet 91“
- Sammlung
- Art Institute of Chicago, Gift of Arthur M. Wood Sr. in memory of Pauline Palmer Wood, Inv. 1985.1103
Ein Feld neben dem Haus
Claude Monet wohnte seit 1883 in Giverny als Mieter; das Haus kaufte er laut Katalog im November 1890. Die Katalogeinträge Cats. 27 bis 33 behandeln die Stapelbilder gemeinsam. Die Heuhaufen standen auf einem Feld neben seinem Grundstück, nach Angabe des Museums unmittelbar vor seinem Bauernhaus. Die Stapel waren 15 bis 20 Fuß hoch, also etwa 4,5 bis 6 Meter.
Die Hauptbilder der Serie entstanden wahrscheinlich zwischen Ende August oder Anfang September 1890 und Februar 1891. Im engeren Sinn umfasst sie etwa 25 Leinwände, von denen sechs heute im Art Institute of Chicago hängen. Das hier behandelte Bild trägt die Signatur „Claude Monet 91“. Auf dem Bild stehen die Stapel vor einer Baumreihe, dahinter liegen Hügel und ein kleines weißes Haus.

Zwei Stapel, lange Schatten
Das Gemälde misst 60 x 100,5 cm. Es zeigt zwei kuppelförmige Stapel, den kleineren links, den größeren rechts. Nach Angabe des Museums durchbrechen die kegelförmigen Spitzen der Stapel in nahezu allen Herbstbildern der Serie den Horizont; auch hier ragt die Spitze des großen Stapels in die Hügelzone.
Die Stapel werfen lange Schatten über das Feld, und das flache, schräge Licht lässt am Bild offen, ob es Morgen oder Abend ist. Eine Zuschreibung der Tageszeit durch das Museum ist in den Quellen nicht belegt. Der Blick geht über das Feld bis zu den Hügeln: Hinter den Stapeln liegt eine Baumreihe, darüber ein Hügelkamm mit Baumgruppen in violetten, grünen und gelben Strichen, und zwischen den Bäumen blitzt das kleine weiße Haus auf. Diese Beschreibung ist eine Beobachtung am Bild.

Der Augenblick und das Licht
In einem Brief vom 7. Oktober 1890 an den Kritiker Gustave Geffroy schreibt Monet, die Sonne gehe so schnell unter, dass er nicht mit ihr Schritt halten könne; seine Arbeit komme ihm langsam und mühsam vor (sinngemäß nach dem Katalog). Geffroy ist derselbe Kritiker, der im Mai 1891 das Vorwort zum Ausstellungskatalog bei Durand-Ruel verfasste. Der Katalog beschreibt sein Ziel mit den Begriffen „instantaneity“ und „enveloppe“: das Festhalten des Augenblicks und des Lichts, das alles umgibt.
Der Katalog beschreibt damit ein Malen gegen die Zeit: Je weiter Monet vorankomme, desto mehr Mühe koste es ihn, den Augenblick und das Licht einzufangen (sinngemäß). Das Bild trägt den Titel „Ende des Sommers“; die Serie, zu der es gehört, begann im Spätsommer 1890 und reichte bis in den Februar 1891.
Kurze Striche, dünne Schichten
Am Bild fallen kurze, dichte Pinselstriche auf. Die Schatten auf dem Feld sind in Blau und Violett gemalt, der große Stapel ist aus rosa, ockerfarbenen und blauen Strichen aufgebaut und nicht aus einem einzigen Braun.
Der Katalog beschreibt für die Gruppe der Stapelbilder einen unterschiedlichen Farbauftrag: dicker Impasto neben sehr dünnen Stellen, an denen die helle Grundierung durchscheint. Beim kleinen Stapel schimmert durch Lücken im oberen Pinselstrich eine dünne rotbraune Schicht.

Heuhaufen oder Getreidestapel
Im Deutschen ist meist von Heuhaufen die Rede. Das Art Institute of Chicago führt das Bild als „Stacks of Wheat (End of Summer)“, und der Historiker Robert Herbert argumentiert im Katalog, es handle sich um Getreidestapel und nicht um Heuhaufen. Sie seien sorgfältiger gebaut worden: Die Garben wurden gebunden und gegen Regen gedeckt, und das Getreide stand für den Besitz der Eigentümer.
Das Museum deutet die Stapel als Sinnbild für Nahrung und Überleben; das ist eine Deutung des Museums und kein Zitat Monets. 1891 hieß das Bild bei Durand-Ruel „Meules (Fin de l'été)“. Der deutsche Titel dieses Hauses lautet „Heuhaufen (Ende des Sommers)“.

Fünfzehn Bilder in einem Raum
Im Mai 1891 zeigte die Galerie Durand-Ruel fünfzehn Stapelbilder Monets gemeinsam in einem kleinen Raum; die Serie hatte bis dahin seit dem Spätsommer 1890 Gestalt angenommen. Das Chicagoer Bild trug die Nummer 1 und war eine Leihgabe von Durand-Ruel. Im Katalog würdigte Gustave Geffroy in seinem Vorwort die Gruppierung; der Kritiker Byvanck bemerkte, jedes Bild gewinne durch den Vergleich mit den anderen seinen vollen Wert. Nach Angabe des Museums war die Ausstellung ein beispielloser kritischer und finanzieller Erfolg. Sie gilt zugleich als neue Präsentationsstrategie: Mehrere Bilder desselben Motivs wurden gemeinsam gezeigt.
Wie die Bilder im Raum angeordnet waren, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht sagen. Heute gehört das Gemälde dem Art Institute of Chicago als Geschenk von Arthur M. Wood Sr. zum Gedenken an Pauline Palmer Wood.
- Art Institute of Chicago, Katalog „Monet Paintings and Drawings at the Art Institute of Chicago“, Cats. 27-33 (Cat. 27 mit Ausstellungsgeschichte)
- Art Institute of Chicago, Objektseite artic.edu/artworks/64818/stacks-of-wheat-end-of-summer
- Art Institute of Chicago, API-Eintrag zu Objekt 64818 (Beschreibung)