Streifen, Weiß und Grün: Monets Getreidestapel von 1890-91
Ein rotbrauner Stapel vor Baumreihe und Hügeln, davor ein Feld, das wie von Schnee oder Frost bedeckt wirkt. Laut dem Katalog des Art Institute of Chicago liegen unter dem Weiß frühere, teils grüne Farbschichten.

- Künstler
- Claude Monet
- Titel
- Heuhaufen im Winter (Museumstitel: Stack of Wheat)
- Datierung
- 1890-91
- Technik
- Öl auf Leinwand
- Maße
- 65,8 x 92,3 cm
- Signatur
- „Claude Monet 91“, unten links
- Sammlung
- Art Institute of Chicago, Inv. 1983.29 (Katalog Cat. 31)
Ein Stapel im weiten Feld
Im Vordergrund steht ein rotbrauner Stapel in einem weiten Feld, dahinter eine Baumreihe und ein Zug blauer Hügel. Der Boden wirkt wie mit Schnee oder Frost bedeckt, der Himmel ist bewölkt. Das Gemälde entstand 1890-91 in Giverny, ist unten links mit „Claude Monet 91“ signiert, misst 65,8 x 92,3 cm und ist in Öl auf Leinwand ausgeführt. Es gehört zu Monets Serie von Getreidestapeln, die im engeren Sinn etwa 25 Leinwände umfasst. Die Stapel standen auf einem Feld neben dem Haus, nach Angabe des Museums unmittelbar vor Monets Bauernhaus, und waren 15 bis 20 Fuß hoch, also etwa 4,5 bis 6 Meter.
Das Bild folgt dem Format „No. 30 Paysage“ von etwa 65 x 92 cm, einer Standard-Leinwand; dem Katalog zufolge malte Monet in diesem Format neun Bilder der Serie. Das Art Institute of Chicago nennt es „Stack of Wheat“. Der Historiker Robert Herbert hält im Katalog Getreidestapel für genauer als Heuhaufen. Die Bezeichnung „im Winter“ ist ein Titel dieser Edition und kein Museumstitel.

Vier Streifen und ein Haufen
Das Bild gliedert sich in horizontale Zonen. Oben liegt ein heller, rosagrauer Himmelsstreifen, gemalt mit breiten, waagerechten Strichen. Darunter zieht sich ein blauer Hügelzug am Horizont, dessen Rand unruhig und kurvig verläuft. Davor steht eine Reihe kahler Bäume in senkrechten Strichen aus Violett, Braun und Blau. Das Feld im Vordergrund besteht aus Weiß, Blau und Rosa, die in kurzen Tupfen nebeneinanderliegen. Diese Beschreibung der Streifen ist eine Beobachtung am Bild.
Das Art Institute schreibt zur Serie, in den meisten Winteransichten, dem Kern der Reihe, wirkten die Stapel von Streifen aus Hügel und Feld umschlossen, „wie eingebettet“. Diese Aussage gilt der Serie, nicht ausdrücklich diesem Bild.

Unter dem Weiß
Im Katalog des Art Institute wird das Bild als Cat. 31 geführt. Nach der Beschreibung des Katalogs zeigen frühe Schichten teilweise Grün, das später mit weißer Farbe überdeckt wurde. Ähnliches beschreibt der Katalog für das Schneebild „Snow Effect, Overcast Day“ (Cat. 30). Bei Cat. 30 und Cat. 32 zeigen Untersuchungen außerdem verschobene oder übermalte Stapel.
Die Autoren vermuten, dass einige Bilder der Serie als Sommerszenen begannen, etwa mit Hafer, Heu oder Mohn. Warum Monet sie umarbeitete, sagen die Quellen nicht. Untersuchungsaufnahmen liegen nicht vor; die Abbildung zeigt das fertige Bild. Das Weiß der Oberfläche ist demnach nicht die erste Lage.

Gegen die Sonne
Die Hauptbilder der Serie entstanden wahrscheinlich zwischen Ende August oder Anfang September 1890 und Februar 1891. In einem Brief vom 7. Oktober 1890 an den Kritiker Gustave Geffroy schreibt Monet nach der Paraphrase des Katalogs, er arbeite an einer Serie verschiedener Effekte und komme mit dem Sonnenuntergang kaum mit, weil die Sonne so schnell untergehe. Seine Arbeit gehe langsam voran; zunehmend stoße ihn ab, was ihm beim ersten Versuch gelinge. Der Katalog erläutert seine Begriffe „instantaneity“ und „enveloppe“ als das Festhalten des Augenblicks und des Lichts, das alles umgibt. Im November 1890 kaufte Monet das Haus in Giverny, das er seit 1883 gemietet hatte.
Nach dem Katalog arbeitete Monet teils im Freien, teils im Atelier und veränderte die Bilder in mehreren Sitzungen. Bei Cat. 27 fand man eine dünn aufgetragene Untermalung und keine Unterzeichnung; für dieses Bild beschreibt der Katalog dazu nichts. Am Bild sind kurze Tupfen sichtbar, die im Feld viel Weiß enthalten.

Mai 1891: Fünfzehn Stapel und zwei Stimmen
Im Mai 1891 zeigte die Galerie Durand-Ruel fünfzehn Stapelbilder. Zwei Schreiber begleiteten die Serie. Anfang 1891 sagte Monet dem Schriftsteller Octave Mirbeau Illustrationen für einen Artikel in der Zeitschrift „L'art dans les deux mondes“ zu. Mirbeau war nach dem Katalog von den Bildern tief bewegt und wollte den Maler, der Monet heute sei, im Blick behalten (sinngemäß); über die Verleger und die Korrekturfahnen ärgerte er sich, doch der Artikel gilt als wichtiger Moment der Kritik.
Im Mai 1891 verfasste Gustave Geffroy das Vorwort zum Katalog bei Durand-Ruel. Er sieht in der Zusammenstellung der fünfzehn Bilder eine überzeugende Demonstration und das Gefühl eines flüchtigen Augenblicks, der nie wiederkehrt; zugleich lasse sich in jedem Bild der Lauf der Erde und die Krümmung des Horizonts ahnen (sinngemäß nach dem Katalog). Fotos der Ausstellung gibt es nicht, die Anordnung der Bilder ist unbekannt.

- Art Institute of Chicago, Katalog „Monet Paintings and Drawings at the Art Institute of Chicago“, Cats. 27-33 (darunter Cat. 31 und Cat. 30; Anmerkungen 17, 19, 24, 27-30, 32)
- Art Institute of Chicago, Objektseite artic.edu/artworks/111318/stack-of-wheat