DIESBACH & GOLDShop →
Start / Die Nachtwache
Zur ganzen Geschichte

Die Nachtwache: Rembrandts Schützenstück und sein Nachleben

Ein Hauptmann gibt das Zeichen zum Abmarsch: Rembrandts Schützenstück von 1642 ist beschnitten, nachgedunkelt, restauriert und mit modernsten Verfahren untersucht worden. Was die Quellen dazu sagen, und was offen bleibt.

Die Nachtwache im goldenen Rahmen
Künstler
Rembrandt van Rijn (1606 bis 1669)
Titel
Die Nachtwache (Militia Company of District II under the Command of Captain Frans Banninck Cocq)
Datierung
1642, signiert „Rembrandt f 1642“
Technik
Öl auf Leinwand
Maße
379,5 x 453,5 cm
Sammlung
Rijksmuseum, Amsterdam, SK-C-5 (seit 1808 Leihgabe der Stadt Amsterdam)

Ein Hauptmann gibt das Zeichen

Rembrandt malte Die Nachtwache 1642 für den großen Saal der Kloveniersdoelen, des Hauptquartiers einer Amsterdamer Schützengesellschaft. Das Bild zeigt Hauptmann Frans Banninck Cocq, in Schwarz, und Leutnant Willem van Ruytenburch mit ihrer Kompanie. Nach dem Rijksmuseum gibt der Hauptmann seinem Leutnant das Zeichen zum Abmarsch. Die Schützen tragen Piken, Musketen und Hellebarden, rechts steht ein Trommler mit großer Trommel, oben links streckt der Fähnrich die Fahne aus. Das Rijksmuseum hebt hervor, Rembrandt sei der erste gewesen, der die Figuren eines Gruppenporträts bei einer Handlung zeigte.

Rembrandt wird am 15. Juli 1606 in Leiden geboren, als zweitjüngstes von zehn Kindern, und zieht 1631 nach Amsterdam. Die Jahre 1631 bis 1642 bezeichnet das Rijksmuseum als seine erfolgreichste Zeit, die Nachtwache als Höhepunkt und Wendepunkt. 1658 folgt der Bankrott; Rembrandt stirbt am 4. Oktober 1669 in Amsterdam, die Ursache ist unbekannt.

Ausschnitt: der Hauptmann in Schwarz mit roter Schärpe und neben ihm der Leutnant.
Ausschnitt: der Hauptmann in Schwarz mit roter Schärpe und neben ihm der Leutnant.

Tag oder Nacht

Den Namen Nachtwache trägt das Bild nach der Objektseite des Rijksmuseums seit dem Ende des 18. Jahrhunderts; der Titel stammt nicht von Rembrandt. Die Szene spielt nach Smarthistory und einer Rijksmuseum-Story auf Google Arts and Culture am Tag. Schichten aus Schmutz und Firnis ließen sie über die Jahrhunderte wie eine Nachtszene erscheinen.

1946 und 1947 wurde nach dem Rijksmuseum Bulletin ein Teil der stark nachgedunkelten Firnisschichten abgenommen und neuer Firnis aufgetragen. Dieser Firnis aus Mastix vergilbte und wurde spröde. Am 14. September 1975 beschädigten zwölf Messerschnitte das Bild, 1975 und 1976 wurde es restauriert und der Firnis erneuert. Seit dem 12. November 2024 entfernt ein Team von acht Restauratoren im Projekt Operation Night Watch diesen Firnis, mit lösungsmittelgetränkten Tüchern und Wattestäbchen unter dem Mikroskop, in einer Glaskammer vor Publikum. Frisch gereinigte Stellen wirken vorübergehend matt und stumpf.

Stark abgedunkelter Ausschnitt: Fahne und Torbogen oben, darunter die Köpfe der Schützen.
Stark abgedunkelter Ausschnitt: Fahne und Torbogen oben, darunter die Köpfe der Schützen.

Das Mädchen in Gold

Links der Mitte, zwischen den Schützen, steht ein Mädchen in hellem, golden wirkendem Kleid, ein totes Huhn an der Taille. Das Licht hebt es nach dem Rijksmuseum hervor. Klauen und Klover, eine Handfeuerwaffe, waren Zeichen der Schützengesellschaft; das Wappen der Kloveniers zeigt nach Smarthistory eine goldene Klaue auf blauem Grund.

Das Mädchen gilt dem Rijksmuseum als Maskottchen der Kompanie und wohl nicht als wirkliche Person, sondern als Verkörperung der ganzen Gesellschaft. Das ist eine Deutung; ein Name ist in den Quellen nicht überliefert. Hinter dem Mädchen ist ein zweites Gesicht zu erkennen, manche sehen darin ein zweites Mädchen. Auch die kleine Kopie, die Jahrzehnte vor dem Beschnitt entstand, zeigt das Mädchen am selben Platz.

Nahaufnahme: das Huhn am Gürtel des Mädchens, die Klauen sind sichtbar.
Nahaufnahme: das Huhn am Gürtel des Mädchens, die Klauen sind sichtbar.

1715 verkleinert

1653 wird das Bild erstmals im großen Saal der Kloveniersdoelen erwähnt. 1715 zieht es in die Kleine Kriegsratskammer im Rathaus am Dam um, dem heutigen Königlichen Palast, und war für den neuen Platz zu groß; es sollte nach dem Rijksmuseum zwischen zwei Türen passen. Laut Pressemitteilung des Rijksmuseums von 2021 schnitt man Streifen von allen vier Seiten ab, links mehr als 60 Zentimeter, rechts rund 7 Zentimeter. Die abgeschnittenen Stücke wurden nie gefunden.

Wie das Bild vorher aussah, zeigt eine kleine Kopie, die Banninck Cocq in Auftrag gab und die wahrscheinlich Gerrit Lundens malte (Öl auf Holz, 66,5 x 85,5 cm, um 1642 bis um 1655, Leihgabe der National Gallery, London). Dort sind links zwei Figuren und ein Stück des Bogens oben mehr zu sehen; Geländer und Stufe am linken Rand erwähnt nur Wikipedia. 1808 kam das Original ins Trippenhuis am Kloveniersburgwal und ist seitdem eine Leihgabe der Stadt Amsterdam an das Museum.

Das heutige Bild und die kleine Kopie nebeneinander.
Das heutige Bild und die kleine Kopie nebeneinander.

Die Rekonstruktion von 2021

2021 ergänzte das Rijksmuseum die fehlenden Teile mit künstlicher Intelligenz. Die neuronalen Netze waren auf Rembrandts Technik und Farbgebung trainiert und ergänzten die Ränder nach der Kopie; die Ergänzungen wurden auf Tafeln gedruckt und vorübergehend um das Original gelegt. Die Rekonstruktion ist kein neues Bild und ersetzt die verlorenen Streifen nicht. Heute hängt die Nachtwache in der Nachtwache-Galerie des Rijksmuseums, die nach Angabe des Museums für dieses Werk gebaut wurde (Stand 20.10.2026).

Schema auf Grundlage der kleinen Kopie: ein gestrichelter Rahmen markiert das heutige Bild, der abgeschnittene Teil, vor allem links, ist abgedunkelt.
Schema auf Grundlage der kleinen Kopie: ein gestrichelter Rahmen markiert das heutige Bild, der abgeschnittene Teil, vor allem links, ist abgedunkelt.

Was unter der Farbe liegt

Seit 2019 untersucht das Rijksmuseum die Nachtwache; nach DutchNews.nl und ARTnews (Stand Dezember 2021) kamen mehr als 25 Verfahren und über 12.500 hochauflösende Fotos zum Einsatz. Die Funde: eine Vorzeichnung direkt auf der Leinwand, übermalte Federn auf dem Helm von Claes van Cruijsbergen, ein zunächst gemaltes zentrales Schwert, ein arsenhaltiges Pigment im Mantel Van Ruytenburchs und ein verblasster Hund, dem die Rauchwolke fehlt, die die Kopie von Lundens zeigt.

Für das Blau verwendete Rembrandt Smalte, fein gemahlenes blaues Glas, das nach dem Rijksmuseum wichtigste Blaupigment auf seiner Palette. Man schmilzt dafür Quarzsand, Pottasche und geröstetes Kobalterz bei etwa 1200 Grad. Smalte verliert in Öl ihre Farbe, helles Blau kann zu trübem Braun werden. Unter dem Mikroskop erscheinen die Teilchen als winzige Glasscherben, ein MA-XRF-Scanner fand viel Smalte in den Schatten der Kostüme und in der Hintergrundarchitektur.

Dunkler Ausschnitt unten rechts mit dem hellen Hund.
Dunkler Ausschnitt unten rechts mit dem hellen Hund.
Quellen
  • Rijksmuseum, Objektseite SK-C-5 (Titel, Maße, Signatur, Provenienz, Beschreibung)
  • Rijksmuseum, Pressemitteilung „For the first time in 300 years The Night Watch is complete again“, 23.6.2021
  • Rijksmuseum, Objektseite der Kopie SK-C-1453 (Lundens zugeschrieben)
  • Rijksmuseum, Story „10 things about the life of Rembrandt“
  • Rijksmuseum, Story „Smalt research“
  • Rijksmuseum, Story „Brittle varnish“ (operation-night-watch) und Pressemitteilung „Restoration begins of Rembrandt's The Night Watch“, 12.11.2024
  • Rijksmuseum Bulletin: P. J. J. van Thiel, Beschadiging en herstel van Rembrandts Nachtwacht (1976); S. H. Levie, De Nachtwacht hersteld (1976)
  • Smarthistory, Rembrandt, The Night Watch, und „A night watch?“
  • Google Arts and Culture, „Uncovering the Hidden Details of The Night Watch“ und „The Night Watch“ (Rijksmuseum-Stories)
  • ARTnews und DutchNews.nl (8.12.2021) zu Operation Night Watch
  • Wikipedia, The Night Watch (Nebenbeleg)
Die Nachtwache als gerahmter DruckVarianten und Preise ansehen →