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Zur ganzen Geschichte

Vermeers Milchmädchen: Stille, Brot und ein Strahl Milch

Eine Magd gießt Milch, ganz in ihre Arbeit vertieft; außer dem Milchstrahl ist alles still. So beschreibt das Rijksmuseum Vermeers Gemälde von um 1660, unter dessen Oberfläche eine Untersuchung von 2022 zwei weggelassene Motive aufgespürt hat.

Das Milchmädchen im goldenen Rahmen
Künstler
Johannes Vermeer
Titel
Das Milchmädchen (Het melkmeisje)
Datierung
um 1660
Technik
Öl auf Leinwand
Maße
45,5 x 41 cm (Höhe x Breite)
Sammlung
Rijksmuseum, Amsterdam, Inventarnummer SK-A-2344; 1908 erworben mit Unterstützung der Vereniging Rembrandt

Eine Szene der Konzentration

Das Rijksmuseum fasst das Bild in einem einzigen Satz zusammen: Eine Magd gießt Milch, ganz in ihre Arbeit vertieft, und außer dem Milchstrahl ist alles still. Johannes Vermeers Das Milchmädchen, niederländisch Het melkmeisje, entstand um 1660 in Öl auf Leinwand. Das Gemälde misst 45,5 cm in der Höhe und 41 cm in der Breite; das Museum führt es unter der Inventarnummer SK-A-2344.

Nach der Beschreibung des Museums steht die Frau hinter einem Tisch und gießt Milch aus einem Krug in einen Kochtopf. Sie trägt eine weiße Haube und ein gelbes Mieder, links neben ihr öffnet sich ein Fenster. Auf dem Tisch stehen ein Korb mit Brot und ein steinerner Krug. Das Rijksmuseum widmet dem Milchstrahl eine eigene Video-Story von 1:20 Minuten; sie fragt, wie Vermeer den Eindruck erzeugt, dass die Milch tatsächlich strömt.

Ausschnitt: Die Hände der Magd gießen Milch aus einem Tonkrug in einen Topf; links stehen ein Brotkorb, ein steinerner Krug und ein blaues Tuch auf dem Tisch.
Ausschnitt: Die Hände der Magd gießen Milch aus einem Tonkrug in einen Topf; links stehen ein Brotkorb, ein steinerner Krug und ein blaues Tuch auf dem Tisch.

Brot, Krug und hunderte Lichtpunkte

Der Korb auf dem Tisch enthält einen Laib und Brötchen, daneben liegt ein blaues Tuch. Der steinerne Krug trägt, wie am Bild zu sehen ist, ein blaues Muster. Zu diesem Teil des Gemäldes verweist das Rijksmuseum auf Vermeers Auge für das Spiel des Lichts auf Oberflächen. Sinngemäß nach dem Museum setzte er das Licht mit hunderten farbiger Punkte ins Bild.

Das Museum beschreibt das Bild als still, und doch ist es nach dieser Lesart voller Bewegung der Oberflächen: Das Licht liegt auf dem Brot, auf dem Krug und auf dem Stoff in vielen kleinen Setzungen der Farbe.

Ausschnitt: Brotkorb mit Laib und Brötchen vor einem blauen Tuch, links ein Krug.
Ausschnitt: Brotkorb mit Laib und Brötchen vor einem blauen Tuch, links ein Krug.

Fenster, Korb und Fußwärmer

Die Wand links neben dem Fenster ist nicht leer. Nach der Beschreibung des Rijksmuseums hängen dort ein Korb aus Rohrgeflecht (niederländisch riet) und ein Kupfertopf. Unten rechts zeigt das Bild eine Reihe von Kacheln, den Delfter Fliesen, und einen Fußwärmer (niederländisch stoofje).

Beide Bereiche, Wand und Boden, werden in der Untersuchung von 2022 noch eine Rolle spielen, denn unter der sichtbaren Malschicht liegen dort Motive, die Vermeer nicht ausführte.

Ausschnitt: Korb aus Rohrgeflecht und Kupfertopf an der Wand neben dem Fenster.
Ausschnitt: Korb aus Rohrgeflecht und Kupfertopf an der Wand neben dem Fenster.

Ein Blick durch die Farbe, 2022

2022 untersuchte das Rijksmuseum gemeinsam mit dem Mauritshuis das Milchmädchen mit Macro-XRF, RIS und SWIR. Dieselben Verfahren kamen auch bei Operation Night Watch zum Einsatz. Am 8. September 2022 stellte Taco Dibbits die Ergebnisse vor, Anna Krekeler erklärte sie.

Unter dem linken Arm der Frau liegt demnach eine dicke schwarze Linie, die schnell aufgetragen wurde. Vermeer skizzierte die Komposition offenbar zuerst in Hell und Dunkel. Das widerspricht nach den Angaben des Museums der Annahme, er habe stets sehr langsam und präzise gearbeitet.

An der Wand hinter dem Kopf der Frau entdeckten die Forschenden eine weitere Skizze in Schwarz: ein Kannenbord, das Vermeer nie ausführte. Ein solches Bord hing nach den Angaben des Museums in seinem eigenen Haushalt. Eine Miniatur davon findet sich im Puppenhaus der Petronella Oortman im Rijksmuseum. Beide Entdeckungen sind im fertigen Gemälde nicht zu sehen; die hier gezeigten Ausschnitte geben allein die sichtbare Malschicht wieder.

Ausschnitt: Kopf der Magd in weißer Haube vor heller Wand; das unter der Farbe skizzierte Kannenbord ist im sichtbaren Bild nicht zu erkennen.
Ausschnitt: Kopf der Magd in weißer Haube vor heller Wand; das unter der Farbe skizzierte Kannenbord ist im sichtbaren Bild nicht zu erkennen.

Der Feuerkorb unter den Fliesen

Unten rechts liegt unter Fußwärmer, Delfter Fliesen und Boden ein Feuerkorb aus Weidenruten, ein Glutbecken zum Wärmen Neugeborener und zum Trocknen von Windeln. Vermeer übermalte ihn später. Das Nachlassinventar belegt nach den Angaben des Museums einen solchen Korb; er gehörte offenbar zu seinem Alltag. Der Zweck des Glutbeckens, Neugeborene zu wärmen und Windeln zu trocknen, verweist auf den häuslichen Rahmen, in dem dieses Bild entstand, ohne dass die Quellen dazu mehr sagen.

Der Korb am Fenster ist davon zu unterscheiden: Er besteht aus Rohrgeflecht und gehört zur sichtbaren Szene. Warum Vermeer Kannenbord und Feuerkorb wegließ, nennen die hier herangezogenen Quellen nicht; die Frage bleibt offen.

Ausschnitt unten rechts: hölzerner Fußwärmer vor Delfter Fliesen auf rotbraunem Boden; der übermalte Feuerkorb ist im sichtbaren Bild nicht zu erkennen.
Ausschnitt unten rechts: hölzerner Fußwärmer vor Delfter Fliesen auf rotbraunem Boden; der übermalte Feuerkorb ist im sichtbaren Bild nicht zu erkennen.

Wege des Bildes bis 1908

Die Provenienz des Rijksmuseums führt von der Familie Van Ruijven in Delft, später Jacob Dissius, wobei das Museum diese frühe Spur selbst mit einem Fragezeichen versieht. 1696 wurde das Bild in Amsterdam an Isaac Rooleeuw verkauft, 1701 erneut verkauft. Weitere Stationen nennt das Museum mit Jacob van Hoek (1719), Pieter Leendert de Neufville (nach 1752) und Jan Jacob de Bruyn (1798).

1813 erwarb Lucretia Johanna van Winter das Gemälde; danach gelangte es an die Familie Six. 1908 kaufte das Rijksmuseum es von den Erben von Pieter Hendrik Six, laut Provenienz zusammen mit 38 weiteren Gemälden und mit Unterstützung der Vereniging Rembrandt. Seitdem trägt es die Inventarnummer SK-A-2344. Die Rolle der Familie Six zwischen 1813 und dem Ankauf bleibt in den herangezogenen Quellen im Einzelnen unausgeführt, und die frühesten Stationen in Delft sind vom Museum selbst nur mit Vorbehalt genannt.

Quellen
  • Rijksmuseum, Objektseite SK-A-2344 (Basisdaten, Beschreibung, Provenienz)
  • Rijksmuseum, Pressemitteilung vom 8.9.2022 (Untersuchung mit Macro-XRF, RIS und SWIR)
  • Rijksmuseum, Story "The Milkmaid" (Text; Video nicht ausgewertet)
  • Bildnachweis: Johannes Vermeer, Das Milchmädchen, um 1660, Rijksmuseum, SK-A-2344 (nur Ausschnitte des fertigen Gemäldes)
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