Ein Zimmer für die Ruhe: Van Goghs Schlafzimmer in Arles
Drei Fassungen, ein Raum und ein Wort, das Vincent van Gogh in zwei Briefen vom Oktober 1888 für sein Bild wählt: Ruhe. Das Art Institute of Chicago bewahrt die zweite Fassung von 1889.

- Künstler
- Vincent van Gogh
- Titel
- Das Schlafzimmer (zweite Fassung)
- Datierung
- 1889 (laut Museum gemalt im September 1889)
- Technik
- Öl auf Leinwand
- Maße
- 73,6 x 92,3 cm
- Sammlung
- Art Institute of Chicago, Helen Birch Bartlett Memorial Collection, Inv. 1926.417
Ein Raum im Gelben Haus
Vielleicht die berühmteste Darstellung eines Schlafzimmers in der westlichen Kunstgeschichte: So beurteilt das Art Institute of Chicago Vincent van Goghs Schlafzimmer. Das Gemälde zeigt den Schlafraum im Gelben Haus in Arles. Links steht ein gelber Stuhl, in der Mitte ein Tisch mit Waschschüssel, rechts ein Bett mit roter Decke; an der blauen Wand hängen kleine gerahmte Bilder. Die Fassung des Museums ist in Öl auf Leinwand gemalt, misst 73,6 x 92,3 cm und trägt die Datierung 1889.
Wer näher herantritt, findet die Gegenstände einzeln gemalt. Die Fensterläden sind grün und geöffnet, dahinter erscheint ein gelbliches Grün. Auf dem kleinen Tisch stehen eine blaue Waschschüssel, ein Krug und Flaschen. Der Boden besteht aus kurzen roten und grünen Strichen, der Sitz des Stuhls aus dicken gelben Strichen. Diese Beschreibungen sind Beobachtungen am Bild. Die Farbangaben, die Van Gogh selbst machte, stammen aus seinen Briefen und folgen weiter unten.

Drei Fassungen
Das Schlafzimmer existiert in drei Fassungen. Die erste konzipierte Van Gogh nach Angabe des Art Institute im Oktober 1888, etwa einen Monat nach seinem Einzug in das Gelbe Haus. Die Chicagoer Fassung ist die zweite; sie entstand im September 1889, nach Angabe des Museums in Saint-Rémy-de-Provence. Gleichzeitig malte er eine dritte, kleinere Fassung als Geschenk für seine Mutter und seine Schwester. Als Standorte der beiden anderen Fassungen werden das Van Gogh Museum in Amsterdam (erste Fassung) und das Musée d'Orsay in Paris (kleinere Fassung) genannt.
Zwischen der ersten und der zweiten Fassung liegt fast ein Jahr. Im Dezember 1888 bricht Van Gogh in Arles zusammen; als er das Zimmer im September 1889 noch einmal malt, ist er in Saint-Rémy. Die Gegenüberstellung der drei Bilder macht die Verwandtschaft deutlich: Der Raum, die Möbel und die Farbverteilung bleiben erkennbar dieselben.

Der Unterschied an der Wand
Ein Unterschied zwischen den Fassungen liegt an der Wand rechts oben: In der ersten Fassung hängen dort andere Bilder als in den späteren. Der Ausschnitt der Chicagoer Fassung zeigt vor der blauen Wand zwei schräg hängende Rahmen oberhalb der Bettkante. In der begleitenden Bildbeschreibung werden sie als Selbstporträt und Frauenbild gelesen; das Museum äußert sich in den herangezogenen Quellen dazu nicht, die Deutung bleibt daher eine Beschreibung am Bild.

Briefe vom Oktober 1888
Van Gogh hat sein Bild in Briefen selbst beschrieben. Am 16. Oktober 1888 schreibt er seinem Bruder Theo und legt eine kleine Skizze des Zimmers bei. Sinngemäß solle die Farbe hier Ruhe oder Schlaf andeuten; so lautet die Stelle in einer älteren englischen Übersetzung.
Am 17. Oktober folgt ein Brief an Paul Gauguin, der sich auf die erste Fassung bezieht. Es sei eine Leinwand für seine Dekoration, und es habe ihm Freude gemacht, ein so schlichtes Interieur zu malen. Dann nennt er die Farben: die Wände blasslila, den Boden gebrochen und verblasst rot, die Stühle und das Bett chromgelb, Kissen und Laken sehr blass zitronengrün, die Decke blutrot, den Waschtisch orange, die Waschschüssel blau, das Fenster grün. Als einzige weiße Note nennt er den kleinen Spiegel mit schwarzem Rahmen.
Sein Ziel fasst er in dem Satz „I had wished to express utter repose“ zusammen: Er wollte mit all diesen sehr verschiedenen Tönen völlige Ruhe ausdrücken.

Flach, aber dick
Auch zur Technik äußert sich der Brief an Gauguin. Van Gogh schreibt, er male „in flat tints, but coarsely brushed in full impasto“: in flachen Farbflächen, aber grob und im vollen Impasto. Das Art Institute beschreibt den dicken, gebrochenen Pinselstrich als Merkmal des Bildes.
Als Vergleich für die flächige Farbe zeigt der Beitrag einen japanischen Farbholzschnitt von Hiroshige aus dem Jahr 1857, den Pflaumengarten bei Kamata: Teehäuser, Teich und Wiese in klaren Flächen unter rosa Himmel. Es handelt sich um ein Blatt dieser Art, nicht um ein Blatt aus Van Goghs eigenem Besitz; ob er genau dieses kannte, ist nicht belegt. In anderem Zusammenhang nennt das Getty Museum japanische Farbholzschnitte, die Van Gogh schon früh sammelte, als vermutlichen Einfluss auf seine Bildsprache.

Ruhe oder Unruhe
Die Absicht des Malers und der Eindruck des Betrachters müssen nicht übereinstimmen. Das Art Institute hält fest, dass die kräftigen Farben, der dicke, gebrochene Pinselstrich und die stark zulaufenden Linien an nervöse Energie denken lassen können. Van Gogh selbst verstand das Bild dennoch als beruhigend und erholsam.
Am Bild lässt sich der Gegensatz nachvollziehen. Das Zimmer ist einfach eingerichtet: zwei Stühle, ein Bett, ein Tisch. Die Linien von Bett und Boden laufen jedoch schräg auf eine Ecke zu und geben dem Raum Spannung, während die geschlossenen Farbflächen beruhigend wirken.
Das Art Institute of Chicago führt das Bild unter der Inventarnummer 1926.417 (Helen Birch Bartlett Memorial Collection). Die Objektdaten nennen Galerie 241 als Standort, Stand 21. Oktober 2026.
- Art Institute of Chicago, Objektseite „The Bedroom“ (artic.edu/artworks/28560/the-bedroom)
- Vincent van Gogh an Paul Gauguin, 17. Oktober 1888, Brief Nr. 706 (vangoghletters.org)
- Vincent van Gogh an Theo, 16. Oktober 1888, Brief Nr. 554 (webexhibits.org, ältere Übersetzung)
- Skizze im Brief an Theo, Oktober 1888 (Van Gogh Museum, Briefe-Edition, Brief 705)
- Hiroshige, Pflaumengarten bei Kamata, 1857, The Metropolitan Museum of Art, JP2510 (Objekt 53681)
- Getty Blog (blogs.getty.edu/iris/rare-opportunity-to-study-van-goghs-irises)