Wind, Hitze und eine Zypresse: Das Weizenfeld von Saint-Rémy
Im Sommer 1889 malt Vincent van Gogh in Saint-Rémy ein Weizenfeld unter bewegtem Himmel, nach Angabe des Metropolitan Museum direkt vor Ort. Das Bild ist die erste Studie einer Komposition, die er im selben Jahr im Atelier wiederholt.

- Künstler
- Vincent van Gogh
- Titel
- Weizenfeld mit Zypressen
- Datierung
- Sommer 1889, vom Museum auf Mitte 1889 datiert; Saint-Rémy
- Technik
- Öl auf Leinwand
- Maße
- 73,2 x 93,4 cm
- Sammlung
- The Metropolitan Museum of Art, New York, Purchase, The Annenberg Foundation Gift, 1993, Inv. 1993.132
Ein Feld im Sommer 1889
Ein goldgelbes Weizenfeld, darüber ein Himmel aus dicken weißen und blauen Wirbeln, rechts eine hohe dunkle Zypresse: So lässt sich das Gemälde beschreiben, das Vincent van Gogh im Sommer 1889 in Saint-Rémy malt. Nach Angabe des Metropolitan Museum of Art entstand es direkt vor dem Motiv, in der freien Natur. Das Museum datiert es auf Mitte 1889.
Van Gogh ist 1889 Patient der Anstalt Saint-Paul de Mausole in Saint-Rémy; im Dezember 1888 war er in Arles zusammengebrochen. Das Weizenfeld gehört zu den Bildern, die er in Saint-Rémy malt, und es steht nach Angabe des Met am Anfang einer Folge von Wiederholungen.
Es ist in Öl auf Leinwand gemalt und misst 73,2 x 93,4 cm. Das Met führt es unter der Nummer 1993.132; die Credit Line lautet Purchase, The Annenberg Foundation Gift, 1993. Laut Objektseite hängt es in Galerie 822 (Stand 20. Oktober 2026).

Die Zypresse als Thema
Ende Juni 1889 hatte Van Gogh beschlossen, die Zypresse zum Thema einer seiner ersten Serien in Saint-Rémy zu machen. Im Juni schreibt er seinem Bruder Theo, die Zypressen beschäftigten ihn noch, und es erstaune ihn, dass sie bisher niemand so gemalt habe, wie er sie sieht. Nach dem Begleitmaterial arbeitet er zu dieser Zeit an zwölf Leinwänden gleichzeitig, darunter zwei Studien von Zypressen.
Über die Zypresse äußert er sich in diesen Briefen in Vergleichen: Sie sei schön in Linien und Proportionen, wie ein ägyptischer Obelisk, und sie sei ein dunkler Fleck im Licht. Von zwei Leinwänden mit Zypressen hält er die eine für die bessere. Das Met besitzt neben dem Weizenfeld auch das Gemälde „Zypressen“ (Inv. 49.30, 93,4 x 74 cm, Rogers Fund 1949), dessen Kronen vor türkisem Himmel hier zum Vergleich stehen.

Ein Himmel wie Schottenkaro
In einem Brief an Theo verglich Van Gogh den Himmel nach der Darstellung des Met mit einem Stück Schottenkaro. Am Bild selbst erscheint der Himmel als dicht gesetzte Folge weißer und blauer Wirbel. Die Zuordnung dieses Briefzitats zu gerade diesem Bild beruht auf dem Katalogtext des Museums; im Brief selbst wurde sie nicht überprüft.

Dick wie Wind
Der dicke, ausdrucksstarke Farbauftrag vermittelt nach Angabe des Met Wind, schwankende Bäume und Gras sowie die Hitze des Nachmittags. Wind und Hitze sind damit keine Zutat des Betrachters, sondern Teil der Beschreibung, die das Museum gibt. Auch Van Gogh hielt das Bild für gelungen: Er rechnete es nach den Angaben der Objektseite zu seinen „besten“ Sommerlandschaften.
Das Zusammenspiel von heller Fläche und dunkler Zypresse trägt das Bild. Die Zypresse steht als senkrechter, dunkler Akzent im Licht des Feldes, während Himmel und Weizen in alle Richtungen bewegt sind. Diese Einordnung ist eine Beobachtung am Bild; das Museum beschreibt den Farbauftrag, nicht die Komposition.

Studie und Wiederholung
Das Weizenfeld im Met ist nach Angabe des Museums die erste Studie nach der Natur für eine Komposition, die Van Gogh danach mehrfach wiederholt. Am 2. Juli 1889 schickt er Theo Rohrfeder-Zeichnungen der Komposition. Eine große Rohrfeder-Zeichnung von 47,1 x 62,3 cm befindet sich heute im Van Gogh Museum in Amsterdam; ob es die Zeichnung ist, die er damals versandte, sagt der Katalogtext nicht.
Im September 1889 malt Van Gogh zwei Fassungen im Atelier. Die eine hat das gleiche Format wie das Bild im Met und gehört heute der National Gallery in London. Die andere ist eine kleinere Replik, die er für seine Mutter und seine Schwester bestimmte; sie befindet sich heute in einer Privatsammlung. Beide Atelierfassungen gehen auf die Studie vor Ort zurück.
Der Ablauf lässt sich damit in drei Schritten fassen: das Bild vor dem Motiv im Sommer, die Zeichnungen für den Bruder am 2. Juli, die zwei Atelierfassungen im September. Das Bild im Met steht dabei am Anfang: Es ist vor dem Motiv entstanden, und sein dicker Auftrag wird vom Museum mit Wind und Hitze verbunden.
Beobachtungen am Bild
Links oben liegen dicke weiße Farbspuren im Himmel, am Horizont zieht sich eine Kette blauer Hügel entlang. Die große Zypresse besteht aus kurzen dunkelgrünen und schwarzen Strichen und endet in einer Spitze. Links im Feld steht ein silbrig-grüner Busch, aus hellgrünen und grauen Strichen gesetzt.
Der Weizen ist aus Strichen in Ocker, Gelb und Braun aufgebaut, die in verschiedene Richtungen laufen. Im Vordergrund liegen rote und blaue Tupfer im Grün. Das Format stammt vom Met; alle diese Angaben sind ansonsten Beobachtungen am Bild und keine Aussagen des Museums.

- The Metropolitan Museum of Art, Objektseite 436535 (Weizenfeld mit Zypressen, 1993.132)
- The Metropolitan Museum of Art, Katalogtext (metmuseum.org/toah/works-of-art/1993.132)
- The Metropolitan Museum of Art, Zypressen, 49.30 (Objekt 437980)
- Van Gogh, Briefe an Theo, Juni und 2. Juli 1889 (nach Begleitmaterial, sinngemäß)