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Zwei Sonnenblumen aus Paris: Van Gogh und der Bildertausch

Im Spätsommer 1887 malt Vincent van Gogh in Paris vier Stillleben mit Sonnenblumen. Eines zeigt zwei abgeschnittene Blüten auf blauem Grund; ob es zu den Bildern gehörte, die Paul Gauguin im Tausch erhielt, lassen die Quellen offen.

Sonnenblumen im goldenen Rahmen
Künstler
Vincent van Gogh
Titel
Sonnenblumen
Datierung
1887 (Spätsommer, Paris)
Technik
Öl auf Leinwand
Maße
43,2 x 61 cm
Sammlung
The Metropolitan Museum of Art, New York, Rogers Fund, 1949, Inv. 49.41

Zwei Blüten auf blauem Grund

Im Spätsommer 1887 malt Vincent van Gogh in Paris vier Stillleben mit Sonnenblumen. Dieses Bild ist eines davon: Es zeigt zwei abgeschnittene, liegende Blüten in Gelb und Ocker auf blauem Grund. Es ist in Öl auf Leinwand gemalt und misst 43,2 x 61 cm. Eine Vase ist am Bild nicht zu erkennen; die Blüten liegen unmittelbar auf dem blauen Grund.

Zur Gruppe gehören Schwesterbilder: nach Angabe des Met eine Ölskizze im Van Gogh Museum in Amsterdam, ein Bild mit zwei Sonnenblumen in Bern und ein größeres mit vier Blüten im Kröller-Müller Museum in Otterlo. Der blaue Grund besteht aus kurzen, gerichteten Pinselstrichen in Hell- und Dunkelblau; er wirkt nicht gleichmäßig, sondern scheint um die Blüten zu wirbeln. Das ist eine Beobachtung am Bild, keine Museumsaussage. Rechts verläuft der Stiel in hellem Gelb und Beige; die Farbe liegt dort in breiten, hellen Zügen auf der Leinwand. Auch das ist eine eigene Beobachtung.

Ausschnitt: der blaue Grund aus kurzen, gerichteten Pinselstrichen in Hell- und Dunkelblau.
Ausschnitt: der blaue Grund aus kurzen, gerichteten Pinselstrichen in Hell- und Dunkelblau.

Zwei Jahre in Paris

Im Frühjahr 1886 verlässt Van Gogh Antwerpen und zieht nach Paris. Er wohnt bei seinem Bruder Theo, einem Kunsthändler. Zwei Jahre, von 1886 bis 1888, bleibt er in der Stadt; in dieser Zeit entsteht auch das Bild der Sonnenblumen.

In Paris begegnet Van Gogh dem Impressionismus und dem Neoimpressionismus, zu dem das Art Institute of Chicago den Maler Georges Seurat zählt. Wie sich diese Begegnung im vorliegenden Bild niederschlägt, sagen die Quellen nicht.

Im Herbst 1887 sehen die Brüder Gauguins Martinique-Bilder. Das Art Institute beschreibt zwei Hoffnungen: Van Gogh sieht in Gauguin einen Künstler mit neuen Ideen, Gauguin in den Brüdern einen Zugang zum Kunstmarkt.

Bilder gegen Bilder

Aus der Begegnung wird ein Tausch. Van Goghs Sonnenblumenstudien gehen gegen ein Martinique-Werk Gauguins, und aus dem Austausch wird ein Briefwechsel und später das Atelier des Südens in Arles. Nach Angabe von Met und Art Institute erhält Gauguin zwei Pariser Sonnenblumen-Bilder; er hängt sie über sein Bett, wo sie bis Mitte der 1890er Jahre bleiben.

Das Met nennt die beiden Bilder, die Gauguin erwarb, die kleineren Schwesterbilder. Das hier gezeigte Bild misst 43,2 x 61 cm und gelangt 1949 ins Metropolitan Museum; die Credit Line nennt den Rogers Fund. Der Brief, der den Tausch später berührt, wird im nächsten Abschnitt wiedergegeben, ebenso die Frage, ob dieses Bild über Gauguins Bett hing.

Ausschnitt: Blütenblätter in kurzen, geschwungenen Strichen in Gelb und Orange, stellenweise in Grün und dunklem Rot.
Ausschnitt: Blütenblätter in kurzen, geschwungenen Strichen in Gelb und Orange, stellenweise in Grün und dunklem Rot.

Zweifel am Tausch

Am 17. Januar 1889 schreibt Van Gogh aus Arles an Theo, sinngemäß nach der englischen Übersetzung bei WebExhibits: Er behalte die fraglichen Sonnenblumen auf jeden Fall, Gauguin habe schon zwei. Wenn Gauguin unzufrieden sei, könne man den Tausch rückgängig machen. Welche Fassungen der Brief meint, sagt er nicht.

Mitte der 1890er Jahre verkauft Gauguin die beiden Bilder für seine Reise in die Südsee. Ob das Met-Bild eines von ihnen ist, lassen die Quellen offen. Das Art Institute nennt das getauschte Bild „Zwei Sonnenblumen (1887)“, ohne ein Museum anzugeben; es wird hier nicht mit dem Met-Bild gleichgesetzt. Den Weg zwischen 1887 und 1949 nennt die Objektseite des Met nicht.

Hoffnung, Glaube, Schönheit

Das Art Institute of Chicago liest die Pariser Sonnenblumen als Hoffnung auf eine Erneuerung der französischen Malerei. Religiös stehe die Blume für Glaube und Hingabe an Gott, ästhetisch für ideale Schönheit. Das sind Deutungen des Museums, bezogen auf die Pariser Sonnenblumen insgesamt; ob sie sich auf das Met-Bild im Besonderen beziehen, ist offen.

Wie Van Gogh selbst diese Blüten gemeint hat, belegen die Quellen nicht. In der Blütenmitte sitzen kleine Tupfen in Ocker, Braun und einem gräulichen Blaugrün. Diese Beschreibung ist eine Beobachtung am Bild.

Ausschnitt: Blütenmitte mit kleinen Tupfen in Ocker, Braun und Blaugrün.
Ausschnitt: Blütenmitte mit kleinen Tupfen in Ocker, Braun und Blaugrün.

Wenn Gelb nachdunkelt

Eine Studie von Forschenden aus Antwerpen, Perugia, Delft und dem Van Gogh Museum untersuchte eine andere Fassung der Sonnenblumen, die Arles-Fassung im Van Gogh Museum in Amsterdam, nicht das Bild im Met. Die Forschenden nutzten eine zerstörungsfreie Bildgebung per Röntgenpulverdiffraktion.

Auf großen Flächen fanden sie warme Gelbtöne in einer sehr stabilen Form von Chromgelb, von der keine Probleme erwartet werden. Für helle Blütenblätter und den blassgelben Hintergrund dagegen verwendete Van Gogh ein Zitronengelb („jaune citron“), einen Untertyp des Chromgelbs, der zum Nachdunkeln neigt. Durch Licht und Luftfeuchtigkeit entsteht eine braun-olivfarbene Schicht, die im Labor nachgestellt werden konnte.

Bei verblühten Blumen sitzt das Zitronengelb mit dunkleren Farben vermischt; diese Bereiche sollen künftig besonders beobachtet werden. Ob das Met-Bild Chromgelb enthält, ist nicht untersucht und wird hier nicht behauptet.

Ausschnitt des Met-Bildes mit Blättern und blauem Grund; untersucht wurde die Arles-Fassung, nicht dieses Bild.
Ausschnitt des Met-Bildes mit Blättern und blauem Grund; untersucht wurde die Arles-Fassung, nicht dieses Bild.
Quellen
  • The Metropolitan Museum of Art, Objektseite 436524 (Sonnenblumen, 49.41)
  • Art Institute of Chicago, Van Gogh and Gauguin: The Studio of the South, Seite Paris (archive.artic.edu/vangogh/paris.html)
  • Vincent van Gogh an Theo, Arles, 17. Januar 1889, sinngemäß (englische Übersetzung bei WebExhibits, webexhibits.org/vangogh/letter/19/571.htm)
  • TU Delft (2018), Meldung zur Studie in Angewandte Chemie
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