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Die Geschichte hinter Diesbach & Gold

Er wollte Rot und bekam Blau: Um 1706 entsteht in Berlin ein Pigment, das später Berliner Blau und Preußisch Blau heißt. Es ist das Blau hinter dem Namen dieses Hauses.

Erfinder
Johann Jacob Diesbach, Farbenmacher
Ort
Berlin
Zeit
um 1706; Verkauf ab 1708; Rezept 1724 in London veröffentlicht
Geschäftspartner
Johann Leonhard Frisch

Er wollte Rot

Berlin, um 1706. Der Farbenmacher Johann Jacob Diesbach will einen roten Lack herstellen. Was er am Ende in der Hand hält, ist nicht Rot, sondern ein tiefes Blau.

So erzählt es die Überlieferung. Danach war die Pottasche, die für den Lack gebraucht wurde, verunreinigt, und statt des erwarteten Farbtons entstand ein dunkles, leuchtendes Blau. Der Überlieferung nach ist es also ein Fehler, der hier zu einer Entdeckung führt. Belegt ist nur, dass Diesbach zwischen 1701 und 1716 in Berlin nachweisbar ist; die Geschichte vom Labor ist nur aus zweiter Hand überliefert.

Ein Alchemist am Schmelzofen, Kupferstich nach Pieter Bruegel d. Ä., nach 1558, The Metropolitan Museum of Art (Ausschnitt; ein Sinnbild, nicht Diesbachs Labor).
Ein Alchemist am Schmelzofen, Kupferstich nach Pieter Bruegel d. Ä., nach 1558, The Metropolitan Museum of Art (Ausschnitt; ein Sinnbild, nicht Diesbachs Labor).

Ein Blau, das man machen kann

Das Besondere an diesem Blau liegt nicht allein in seiner Farbe, sondern in seiner Herkunft. Berliner Blau gilt als das erste moderne, künstlich hergestellte Pigment. Bis dahin musste ein tiefes Blau aus Stein gewonnen werden: Ultramarin, aus Lapislazuli gerieben, war kostbar und teuer. Das neue Blau dagegen ließ sich im Labor herstellen, und es war günstiger als Ultramarin.

Zuerst hieß es Preußisch Blau, den Namen Berliner Blau erhielt es später. Beide Bezeichnungen verweisen auf den Ort seiner Entstehung. Dass Diesbach als Erfinder gilt, stützt sich auf eine Berliner Chronik von etwa 1730, die ihn nennt; 1731 schreibt Stahl sie auf.

Der Verkäufer und das Geheimnis

Erfunden ist eine Farbe noch nicht verkauft. Diesen Teil übernimmt Johann Leonhard Frisch, Gelehrter und Geschäftspartner Diesbachs. Ab 1708 verkauft er das Blau; am 31. März 1708 ist ein Brief von ihm überliefert. 1710 erscheint eine lateinische Notiz über die neue Farbe. Die Herstellung bleibt zunächst ein Geheimnis.

Lange hält das nicht. 1724 wird das Rezept in London veröffentlicht, in den Philosophical Transactions der Royal Society. Der lateinische Titel nennt die Farbe bereits beim Namen: Praeparatio caerulei prussiaci, die Zubereitung des Preußischblaus.

Seite aus den Philosophical Transactions, Band 33, 1724: der Beginn des veröffentlichten Rezepts für Preußischblau (Ausschnitt, Biodiversity Heritage Library).
Seite aus den Philosophical Transactions, Band 33, 1724: der Beginn des veröffentlichten Rezepts für Preußischblau (Ausschnitt, Biodiversity Heritage Library).

Ein Name, aber kein Gesicht

So gut sich das Blau verbreitet hat, so wenig ist von seinem Erfinder zu sehen. Wie Diesbach aussah, wissen wir nicht, und keine Überlieferung hat sein Gesicht bewahrt. Ein Porträt Diesbachs ist nicht bekannt. Sein Name lebt allein in der Farbe weiter, die ihn berühmt machte, und in Berlin, dessen Namen sie trägt.

Der Rahmen auf dieser Seite bleibt deshalb leer. Von Diesbach bleibt, was er hergestellt hat: ein Blau, das jeder kennt, und ein Name, den nur wenige kennen.

Leerer Rahmen im Régence-Stil, deutsch, um 1730, The Metropolitan Museum of Art, Robert Lehman Collection.
Leerer Rahmen im Régence-Stil, deutsch, um 1730, The Metropolitan Museum of Art, Robert Lehman Collection.

Ein Blau, das bis heute wirkt

Die Karriere des Pigments reicht weit über die Werkstatt hinaus. Anna Atkins hält Pflanzen in Cyanotypien fest, einem Verfahren, das auf Preußischblau beruht und aus dem später die Blaupause wird. 1782 gewinnt Carl Wilhelm Scheele das Pigment aus Berliner Blau zurück und isoliert dabei Cyanid. In der Medizin hilft eine Form des Pigments, Thallium und radioaktives Caesium schneller auszuscheiden.

Auch in der Kunst hat es Spuren hinterlassen. Das Metropolitan Museum of Art hat ein Exemplar von Hokusais Großer Welle naturwissenschaftlich untersucht: Die Drucker mischten Indigo und Berliner Blau für die kräftige Kontur und legten reines Berliner Blau darüber. Das japanische Wort Bero-ai steht für Berliner Blau. Rund 125 Jahre nach seiner Entstehung in Berlin wirbt ein Verleger in Edo mit dem neuen Blau für Hokusais Fuji-Serie, zu der die Große Welle gehört. Ein Pigment aus einer Berliner Werkstatt prägt damit eines der bekanntesten Bilder der Kunstgeschichte.

Anna Atkins, Spiraea aruncus (Tyrol), Cyanotypie, 1851 bis 1854, The Metropolitan Museum of Art (Ausschnitt).
Anna Atkins, Spiraea aruncus (Tyrol), Cyanotypie, 1851 bis 1854, The Metropolitan Museum of Art (Ausschnitt).

Warum Diesbach & Gold

Der Name dieses Hauses ist ein Blau und ein Metall. Berliner Blau ist die feine Linie auf unseren Museumskarten, das Gold gehört den Rahmen.

Diesbach steht für ein Blau, das aus einem Fehler entstand, und für einen Namen, der bekannter ist als sein Träger. Diesem Namen und dieser Farbe ist dieses Haus gewidmet. Dass sein Blau heute als feine Linie auf Museumskarten steht, verbindet die Kunst, die hier gezeigt wird, mit dem Mann, von dem kein Bild überliefert ist.

Quellen
  • Alexander Kraft, GDCh-Mitteilungen Geschichte der Chemie 22 (2012), archiv.gdch.de (Diesbach 1701 bis 1716, Frisch, 1708; Pottasche nur der Überlieferung nach).
  • ChemistryViews, Prussian Blue: Discovery and Betrayal, chemistryviews.org/?p=53528 (1710, 1724).
  • The Metropolitan Museum of Art, Essay Anatomy of an Icon (The Great Wave), metmuseum.org/essays/hokusai-great-wave.
  • FDA, Pressemitteilung P03-75 (2003) zu Radiogardase (Thallium, Caesium).
  • Wikipedia: Prussian blue, Cyanotype, Berliner Blau (Scheele 1782, Cyanotypie).
  • Bildnachweis: The Metropolitan Museum of Art (26.72.29; 1975.1.2233; 2004.172); Philosophical Transactions Bd. 33 (1724), S. 15, Biodiversity Heritage Library, Natural History Museum Library, London.
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